Normalerweise bin ich nicht die Nervöse. Für gewöhnlich bin ich diejenige, die ruhig bleibt, während Max sich um die ganze Nervosität im Haus kümmert — er bei Gewittern, ich beobachte gelassen vom Sofa aus. Aber die Tierarztpraxis ist eine andere Sache. Dort ändern sich die Regeln, auch für mich.
Kaum trete ich durch die Tür, rieche ich es: Alkohol, kaltes Metall, und darunter die Spur all der anderen Hunde und Katzen, die schon mit derselben Angst hier waren, die mir jetzt schon die Beine hochkriecht, bevor ich mich überhaupt gesetzt habe. Ich sitze im Wartezimmer mit angelegten Ohren, hechelnd, obwohl es nicht heiß ist, unentschlossen, ob ich still sitzen bleiben oder mich unter die Bank verkriechen soll. Mein Herz rast bei jedem aufgerufenen Namen, der nicht meiner ist, denn ich weiß: Je länger es dauert, desto mehr Zeit habe ich — und gleichzeitig will ich, dass es einfach vorbei ist.
So war es mein ganzes Leben lang. Untersuchung für Untersuchung, immer dasselbe: hoch auf den kalten Tisch, zitternd, mit Pfoten, die auf dem Metall wegrutschten, weil ich nicht wusste, wo ich sie hinstellen sollte. Mein Mensch bemerkte das natürlich. Und eines Tages kam eine Kiste an, die Mike wie immer am Zaun abstellte, mit seinem gewohnten Klopfen. Darin zwei Silikonmatten mit Saugnäpfen an der Unterseite — eine grüne, eine blaue —, die keinen Lärm machen, keine Batterien brauchen, kein Spielzeug sind. Nur das: strukturiertes Silikon, und Platz, um etwas Leckeres darauf zu verteilen.

Das erste Mal probierte ich sie zu Hause aus, aus reiner Neugier. Mein Mensch klebte sie auf den Duschboden, strich etwas Erdnussbutter darauf, und ich blieb dort eine ganze Weile leckend stehen, ohne recht zu wissen, warum es mir so gut gefiel. Niemand dachte damals schon daran, sie mit zur Praxis zu nehmen. Das kam später, beim nächsten fälligen Check-up, als ich schon beim bloßen Anblick der Tierarzt-Leine an der Tür zu zittern begann.
Dieses Mal packte mein Mensch die blaue Matte vor der Abfahrt in die Tasche. Und sobald ich auf den Metalltisch gehoben wurde, klebte sie sie dort fest, mit diesen Saugnäpfen, die an jeder glatten Fläche haften, und strich etwas Erdnussbutter darauf.
Ich fing an zu lecken, ohne nachzudenken. Und dann passierte etwas, das mir auf diesem Tisch noch nie passiert war: Ich hörte auf, an den Tisch zu denken. Da war nur ich, die Zunge, der Geschmack, wieder die Zunge, immer wieder, kein Platz mehr im Kopf für irgendetwas anderes. Der Tierarzt tat, was zu tun war — schaute, drückte, gab sogar einmal eine Spritze — und ich blieb einfach dort, leckend, mit ruhigem, aber nicht mehr steifem Schwanz, mit Pfoten, die endlich fest auf dem Tisch standen, statt wegzurutschen.

Als es vorbei war, sagte mein Mensch, das sei die ruhigste Untersuchung gewesen, die wir je hatten. Ich weiß nur, dass ich aufrecht hinausging, ohne zu zittern, mit Erdnussbutter noch im Schnurrhaar und ohne mich kaum an die Spritze zu erinnern.
Was ich danach gelernt habe: Der Trick ist nicht der Geschmack. Es ist die Bewegung. Wiederholtes Lecken setzt etwas im Gehirn frei, das alles andere verlangsamt — den Herzschlag, die Gedanken, die Pfoten, die nicht wissen, wohin. Deshalb funktioniert es auch beim Baden. Max entdeckte das zufällig: Mein Mensch klebte die grüne Matte mit etwas Naturjoghurt an die Duschfliese, und Max — der normalerweise sofort verschwindet, sobald er den Wasserhahn hört — blieb einfach stehen, leckend, während ihm das warme Wasser über den Rücken lief, ohne es kaum zu merken. Zehn Minuten später kam er von allein heraus, sauber, ohne Drama, mit dem Gesicht von jemandem, der gerade die beste Idee der Welt hatte, auch wenn die Idee nicht seine war.
Seitdem kommt die blaue Matte an Tierarzttagen immer mit in die Tasche. Und die grüne, die von zu Hause, hat auch bei anderen Gelegenheiten geholfen: bei Max' Gewittern, beim Lärm des Staubsaugers, beim Krallenschneiden. Immer dann, wenn es etwas braucht, worauf man sich konzentrieren kann, das nicht der Grund für den Schreck ist.
Wenn deinem Hund im Wartezimmer auch die Pfoten wegrutschen, haben wir zu Hause das Lick&Chill — zwei Silikonmatten mit Saugnäpfen, die an jedem Tisch, jeder Badewanne oder glatten Oberfläche haften. Eine für zu Hause, eine für unterwegs, wo sie am meisten gebraucht wird.
— Linda 🐾